An(ge)dacht Juni/Juli

Nähe statt Distanz

Habe ich richtig gelesen? Eigentlich ist seit über einem Jahr „Distanz statt Nähe“ das Leitmotiv. Es hat Folgen, zunächst für das Virus, welches sich nicht mehr so schnell verbreiten kann. Das ist gut so. Aber es hat auch andere Konsequenzen: Rentner haben keinen Gesprächspartner und werden einsam. Die Generationen können einander nicht helfen, da sie in unterschiedlichen Haushalten leben. Schüler gehen nicht zur Schule und lernen nicht von- bzw. miteinander. Menschen verlieren ihre Arbeit und bangen um den Lebensunterhalt. Freunde können sich nicht treffen und die Freundschaft verblasst. Das soziale Miteinander nimmt ab, weil jeder für sich kämpft. Die Gemeinde verkleinert sich, da Ängste vor Ansteckung existieren und niemand zu Veranstaltungen eingeladen wird. Entscheidungen sind mühsamer, weil es nur digitale Treffen gibt.

Von Nähe keine Spur. Wir driften auseinander. Ist mir also doch die Über-schrift durcheinandergeraten? Nein.

Apg. 17,27 – Damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl spüren und finden könnten, da er nicht fern von einem jeden unter uns ist.

Gott hat einen Plan. Diesen Plan erklärt Paulus auf der großen Diskussionsbühne der Antike, dem Areopag in Athen. Dort konnte jeder seine Gedanken vorstellen, Paulus will aber Gottes Gedanken verdeutlichen. Gott als Schöpfer der Welt möchte nicht, dass wir einsam sind. Er will nicht, dass wir allein leben. Er will mit uns verbunden sein, das ist sein Plan. Er will, dass wir ihn spüren und finden.

Gott ist nahe

Gott will eine Beziehung zu uns. Aber wie will er das erreichen? Er kommt uns nahe!

Psalm 145,18 – Gott ist nahe allen, die ihn anrufen.

Er wird Mensch und erfährt in Jesus unsere Ängste und Sorgen. Er ist bei uns in Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Kraftlosigkeit und in der andauernden Distanz. Erkennen wir ihn? Nein, manchmal erkenne ich ihn nicht. Ich kann aber mit ihm sprechen, zu ihm beten. Dabei kommt er mir sehr nahe und kann sich mir erklären.

Deshalb will ich Gott nicht nur dann suchen, wenn ich in Not oder Ungewissheit bin. Er bietet uns ein Leben zusammen mit ihm an. Wenn wir ihn in unser Leben lassen, dann spüren wir sein Wirken. Durch seinen Geist will er uns zur ursprünglich gedachten Freiheit führen. Zum Leben in einer innigen Beziehung mit ihm. Das soll mir die Gewissheit geben, die mich durch die Schwierigkeiten des Lebens trägt. Nirgendwo finde ich ein vergleichsweise gutes Angebot, denn zusammen mit Gott werden meine Schwierigkeiten kleiner.

Dann kann ich Einsame anrufen, Rücksicht nehmen beim Einkaufen, mich geduldig anstellen, wenn es länger dauert, mit Freunden skypen, Hilfsbedürftige unterstützen sowie für das Miteinander in der Gemeinde hoffen und mich dafür einsetzen. Gottes Nähe befreit mich zu einem erfüllten Leben.

Christian David