An(ge)dacht August/September

Die Bäume im Wald sollen jubeln; denn der Herr kommt; er kommt und sorgt für Recht auf der Erde.

1. Chronik 16,33

 

Dieser Vers entstammt einem Loblied während eines Festaktes. Endlich wurde die Bundeslade, der Garant für Gottes Gegenwart, nach Jerusalem geholt. Ganz Israel feierte mit. König David hatte ein großes Fest organisiert, bei dem er großzügige Geschenke an sein Volk verteilte. Ein großes Brandopfer gab Gott die Ehre.

 

In dem erwähnten Loblied wird die Segensspur besungen, die das Volk Israel von seinen Anfängen bei Abraham über Isaak und Jakob bis hin zu König David wie ein roter Faden durchzieht.

König David hat dabei eine ganz besonders beeindruckende Art seinen Glauben zu leben. Er steht in ganz engem Kontakt zu Gott. So fragt er z.B. konkret nach, ob er die Philister bekämpfen soll. In der einen Situation hört er ein „Noch nicht!“ von Gott, in der anderen Situation gibt Gott ihm ein „Go!“. David hält sich daran. Und Gott wiederum bestätigt David als König und schenkt ihm starke Kämpfer und großes Ansehen im Volk.

Bei so viel Lob über Gott sollen auch die Bäume jubeln :-) Wie das wohl aussehen mag? Vielleicht tragen sie ihr schönstes Gewand aus kräftigen gesunden Blättern und sind verziert mit tausenden von Blüten, die zu nahrhaften Früchten heranwachsen?

Die Atmosphäre damals muss schon wirklich beeindruckend gewesen sein. Ich wäre gerne dabei gewesen. „Alle waren voller Freude“ heißt es wenige Verse vorher. David und die Leviten trugen Obergewänder aus feinem weißen Leinen. 7 Stiere und 7 Schafböcke wurden geopfert. Ganz Israel stimmte jubelnd in der den Klang der Hörner, Trompeten, Becken, Harfen und Lauten mit ein. Alle geleiteten die Bundeslade zu ihrem neuen Platz in die Davidsstadt.

Wirklich alle? Michal, Davids Frau, war jedenfalls nicht dabei. Sie beobachtete die Situation am Fenster und ärgerte sich sehr darüber, dass ihr Mann als König vor Freude umhersprang und tanzte. Das war in ihren Augen für diesen Würdenträger unpassend. „Sie verachtete ihn deswegen“, wie es in der Bibel heißt. Ihre Erwartungen an einen König und ihre Fokussierung auf das unangemessene Verhalten ihres Ehemannes verstellten ihr den Blick auf das Wesentliche. Sie war nicht in der Lage sich mit zu freuen über Gottes Gegenwart, symbolisiert durch die Bundeslade. Vorschnell könnte man Michal sagen, wie dumm doch ihr Verhalten sei. Aber wenn ich ehrlich bin, merke ich, dass ich dieses Verhalten bei mir selber auch kenne. Es gibt so viel Grund zur Freude über Gott und seine Gegenwart. Und was mache ich?

Ich schaue aus dem Fenster und anstatt mich über das schöne Wetter zu freuen, ärgere ich mich über Putzstreifen an der Scheibe. Das eine Gespräch heute in der Schule war wertvoll und doch hänge ich mich gedanklich an der letzten Unterrichtsstunde auf, die nicht gut gelaufen ist und schimpfe darüber. Beim Einkaufen gibt es das Getränk aus dem Angebot nicht mehr. Mein Einkaufswagen ist voll und doch ärgere ich mich über das fehlende vermeintlich so wichtige Teil. Das sind nur drei kleine Beispiele aus meinem Alltag. Ich ärgere mich über scheinbar wichtige Dinge und mache mir Sorgen über Probleme, die in der Zukunft liegen. Meine Gedanken kreisen um meine Gesundheit. Ich nehme meinen Alltag viel zu wichtig und komme immer wieder darüber hinweg, wertvolle Zeit mit Gott zu verbringen. Ich fokussiere mich auf Dinge, die schlecht laufen und verpasse dabei das Freudenfest für Gott. Da gibt es – glaube ich – nur ein Gegenmittel: „Danke“ sagen. Das finde ich gar nicht so einfach, aber ich will diese Haltung der Dankbarkeit ganz neu und ausdrücklich lernen. Mich wie ein Spurensucher jeden Tag auf die Suche machen, wofür ich dankbar sein kann. Und mich dann mit Gott gemeinsam darüber freuen. Schließlich möchte ich beim Freudenfest mitfeiern und nicht griesgrämig am Rand stehen.

Unser Monatsspruch hat noch einen zweiten Teil: „Gott kommt und sorgt für Recht auf der Erde.“

Diese Aussage steht in einem krassen Widerspruch zu unserer heutigen Zeit. Ich möchte hier nur die über die ganze Welt verteilten Kriegsherde und Hungersnöte nennen oder Christen, die während eines Pfingstgottesdienstes erschossen werden. Da mutet mir diese Aussage, dass Gott kommt und für Recht sorgt, fast zynisch an. Ich möchte schreien: „Dann komm doch endlich, Gott. Greif doch ein! Sorge für Recht! Du bist doch in der Lage, deine Kinder zu schützen.“ Und ich kann nicht verstehen, warum Gott es nicht tut. Aber diesen Widerspruch mutet Gott uns zu. Diese Spannung gilt es auszuhalten. Als vor 21 Jahren die Twin Towers in New York durch einen Terroranschlag einstürzten, war im EC gerade folgendes Lied beliebt: „Bis ans Ende der Welt, bis ans Ende der Zeit. Deine Liebe hält bis in Ewigkeit. Sie wird niemals vergehn. Sie steht fest und sie bleibt, wenn der Vorhang fällt und der Tag sich neigt. Niemand und nichts kann uns trennen von dir, deine Liebe ist stark wie der Tod. Wenn du für uns bist, wer kann gegen uns sein. Denn auf ewig bist du unser Gott!“ Dieses Lied hat mich damals sehr getröstet. Das letzte Wort spricht Gott. Und Gott ist für uns. Für immer. Auch wenn ich ihn nicht verstehe. Auch wenn Gott einen anderen Plan hat, als ich ihn mir wünschen würde. Gottes Liebe hält dennoch bis in Ewigkeit und wird niemals vergehen.

Claudia Breßgott