An(ge)dacht August/September

Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!

2. Könige 19,16

 

Diese Gebetsworte an Gott passen, so finde ich, in unsere heutige Situation, in der wir uns zurzeit befinden.

Corona und Mutanten haben die Welt voll im Griff. Jeden Tag die Zahlen von neu Infizierten, Gestorbenen und neuen Mutationen führen zu Verunsicherungen und Ängsten.

Nichts ist mehr so, wie es war. Nach eineinhalb Jahren sind uns Begriffe wie Inzidenz, Reproduktionszahl, exponentielles Wachstum, Lockdown, Lockerung etc. geläufig, die wir vorher nicht kannten. Die Welt steht kopf

Und was ist mit Gott? Haben wir ihn noch im Blick? Bekennen wir ihn noch und vor allem: Ist er noch der Mittelpunkt unseres Lebens?

Die oben genannten Gebetsworte stehen in 2. Könige 19,16 und sind Teil einer Geschichte, die der damalige König von Jerusalem Hiskia erlebt hat. Die Assyrer belagerten die Stadt und forderten das schon ausgehungerte Volk auf, sich zu ergeben. Sie sollten nicht weiterhin ihrem König folgen und nicht mehr ihrem Gott vertrauen. So würden auch der König und der Gott Israels mit der Eroberung Jerusalems untergehen, das bedeuteten die Androhungen der Assyrer.

Und wie verhält sich Hiskia in dieser ausweglosen Situation? Er breitet vor Gott seine ausweglose Situation klagend aus. Er überbetet seine Lage und überdenkt sie, indem er sie Gott erklärt. Sein Gebet ist eine Mischung aus Klage, Selbstreflexion und Bitte vor Gott. Er betet so, weil er weiß, dass es Gott interessiert, wie es ihm und seinem Volk geht.

Gott erhört Hiskias Gebet und bewahrt Hiskia und sein Volk vor den Angriffen der Assyrer. Und niemand von uns kann sagen, wie sich die kommenden Monate, Jahre und Jahrzehnte entwickeln werden. Wir haben nichts in der Hand und die Bedrohung ist groß.

Was bleibt also? Hab Geduld. Kämpfe deinen Kampf. Aber gib vor allem die Hoffnung nicht auf! Beten wirkt.

Gott um etwas zu bitten, erleichtert. Es löst nicht automatisch alle Probleme, auch wenn Hiskia damals auf wundersame Weise gerettet wird. Aber Beten mindert die Last deiner Seele, auch heute. Denn Gott hört, was du sagst. Und Gott sieht, was du von dir zeigst. Von deinen Gedanken, deinen Gefühlen und deinen Sorgen.

Michel Youssif