An(ge)dacht April/Mai

Christus ist Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.

Kolosser 1,15

 

Wie sieht eigentlich Gott für Dich aus? Es gibt so viele unterschiedliche Bilder und Vorstellungen von Gott. Jeder hat da sein ganz eigenes Bild von Gott. Auch ich stelle mir Gott in meiner ganz persönlichen Weise vor, wie sie sich in den Jahren durch Bibelstudium und durch unterschiedliche Erfahrungen und Prägungen in meinem Glauben ergeben hat. Dieses Gottesbild hat dann aber ein Problem: es ist „MEIN“ subjektives Bild von Gott. Es muss aber noch lange nicht die Wirklichkeit sein, wie Gott tatsächlich ist?!

Für mich ist Gott ein Gott der Liebe. Das ist sicherlich ein Satz, den die meisten von Euch ebenfalls sofort bejahen werden. Nur, was bedeutet das eigentlich – ein Gott der Liebe? Welche Eigenschaften und welche Hand-lungsweisen verbinde ich damit? Gott ist ganz gewiss ein Gott der Liebe, aber entspricht mein Bild von Liebe dem, wie Gott wirklich ist?! Das ist überhaupt nicht sicher.

In welcher Weise haben Liebe, Barmherzigkeit, Sanftmut, Heil und Vergebung etwas mit Gott zu tun?! Das sind alles Begriffe und Eigenschaften, die definitiv zu einem Bild von Gott gehören. Nur füllen wir diese Begriffe dann mit Inhalten – gerne mit falschen Inhalten. Und dann lassen wir Gott in den Begrenzungen unserer Bilder zu einem sanften, greisen, entscheidungsschwachen Kuschelonkel verkommen.

Wie gehe ich damit um, wenn Krieg, Hunger, Leid und Krankheit in der Welt und in meinem unmittelbaren Umfeld sichtbar werden? Wie kann ich das mit meinem Bild von „Gott ist Liebe“ und „Gott ist Barmherzigkeit“ in Einklang bringen? Da komme ich ins Fragen, ob das überhaupt Gott sein kann, der das Leid in der Welt zulässt. Es ist ein Dilemma, in das ich da hineingerate und das mich von Gott wegtreiben kann.

Gott kennt uns und weiß, dass wir gerne ein klares Bild von ihm hätten. Und er weiß auch, dass die Bilder, die wir uns von ihm machen, immer unvollkommen, unvollständig und nicht selten falsch sind. Gott ist uns deshalb grundlegend entgegengekommen. Dabei hat Gott uns nicht einen Katalog von zertifizierten Begriffen und Eigenschaften zukommen lassen, um unser Bild von ihm zu verbessern. Nein, er hat seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt gesandt. Jesus war ganz real, sichtbar und aus Fleisch und Blut in dieser Welt – ganz Mensch und ganz Gott.

Und dieser Jesus Christus, so sagt die Bibelstelle aus Kolosser 1, ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Gott hat also nicht nur Ähnlichkeit mit Jesus, er IST wie Jesus. Jesus ist das Ebenbild Gottes. An der Person Jesus Christus können wir real ablesen, wie Gott wirklich ist.

Das finde ich absolut spannend. Ich kann immer wieder hinschauen auf das Leben und Handeln Jesu, so wie wir es in der Bibel überliefert bekommen haben. Und dann kann ich an Jesus erkennen, wie Gott wirklich ist.

Dabei werde ich vorsichtiger, meine eigenen Bilder, Begriffe und Beschreibungen als alleinigen Maßstab für Gott anzusehen. Es lässt mich aber gleichzeitig mutiger werden mit diesen Bildern, Begriffen und Beschreibungen. Ich kann diese Gottesbilder mehr und mehr in dem Wissen verwenden, dass sie keine Einengung Gottes auf meine Sichtweisen darstellen. Vielmehr sind sie eine unvollkommene Umschreibung von Gottes Herrlichkeit. Gott ist Liebe, aber ich füge nicht mehr an „… und deshalb muss Gott so oder so handeln und darf das oder das nicht geschehen lassen“. Gott ist Liebe, das stimmt absolut. Diese Beschreibung Gottes öffnet dann eine Weite und Tiefe, die meine Vorstellungen aber nur unvollkommen erfassen und beschreiben können.

So darf ich mein Bild von Gott durch Gottes Ebenbild Jesus Christus korrigieren und weiten lassen. In dem Wissen, Gott nicht mit meinen Bildern einzugrenzen, dürfen meine Begriffe und Beschreibungen zum Loblied für Gottes Herrlichkeit werden.

Wolfgang Breßgott