An(ge)dacht April/Mai 2022

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.

3. Johannes 1,2

 

Dieser Brief ist kürzeste in der Bibel, ein Privatbrief, ziemlich unbekannt obendrein. Er wird dem Apostel Johannes zugeschrieben; sicher ist das nicht. Über die konkreten Umstände ist nichts bekannt. Es werden drei Namen genannt, die aber sonst in der Bibel nicht auftauchen. Der Name des Adressaten – Gaius – und dessen Gastfreundschaft weisen auf einen wohlhabenden römischen Bürger hin. Reisende Evangelisten wollten aufgenommen und versorgt sein, das konnte durchaus ins Geld gehen. Bitten um Gastfreundschaft lesen wir öfter in der Bibel. Gaius muss nicht gebeten werden; er tut das gern.

So stellt Johannes fest: „Deiner Seele geht es gut“. Das ist eine Ansage. Können wir das von einer Person in unserem Umfeld einfach behaupten? Dann muss es schon eine besondere Person sein. Ich wünschte, man könnte mir das abspüren. Erst dann kommen die „körperlichen“ Wünsche nach Wohlergehen und Gesundheit. Sie sind es gleichfalls wert, notiert zu werden; auch in der Bibel. „Suppe, Seife, Seelenheil“, so formulierte es die Heilsarmee. Es ist zu wenig, wenn ich mich nur um mein Seelenheil und bestenfalls zusätzlich um das Seelenheil der anderen kümmere.

Nun gibt es in unserem Sozialstaat für die meisten genügend „Suppe und Seife“, also Erfüllung der Grundbedürfnisse. (Weltweit ist das ganz anders!) Aber „Wohlergehen“? Daran leiden nicht selten sogar begüterte Menschen Mangel. Wohlergehen können wir wünschen, darüber hinaus können wir dafür etwas tun. Das führt mich zu der Frage, die ich mir immer wieder zu beantworten suche: „Was braucht unser Umfeld?“ – „Wie kann ich dabei helfen?“ – „Wie kann unsere LKG dabei hilfreich sein?“

Der dritte Johannesbrief ist kurz. So will ich es auch halten. Es würde mich freuen, wenn ich Sie trotzdem (oder deswegen?) zum Nachdenken angeregt hätte. Oder sogar zu konkretem Handeln?

Hans-Victor Reuter