Andacht Juni/Juli 2019

Monatsspruch Juni: Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.
Sprüche 16,24

Monatsspruch Juli: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.
Jakobus 1,19

 

Unsere Sprache ist schon etwas ganz Besonderes. Oft scheint es ganz unscheinbar, was wir sagen und wir denken nicht groß über unsere Worte nach. Aber dann kommt es zu einer Reaktion unseres Zuhörers, die uns völlig überrascht. Vielleicht reagiert er beleidigt, enttäuscht oder versteht et-was, was wir so doch gar nicht gesagt haben. Worte haben Macht und einmal ausgesprochen, können sie nicht mehr zurückgenommen werden.

In der Bibel gibt es viele Beispiele für die beeindruckende Macht von Wor-ten. Allen voran die Schöpfungsgeschichte. „Gott sprach: Es werde….!“ und es wurde tatsächlich! Unsere ganze Welt ist entstanden durch das mäch-tige Wort Gottes. Unglaublich, oder? Allein durch Gottes Reden kann ich leben in einer Welt mit genügend Sauerstoff, optimalem Abstand zur Sonne, für mich zugeschnittener Nahrung, sprich perfekten Lebensbedingungen.

Nun wäre es sehr vermessen, unsere menschlichen Worte mit dem schöpferischen Wort Gottes zu vergleichen. Aber auch wir können mit unseren Worten einiges bewirken, und zwar im Positiven wie leider auch im Negativen. Die Freunde von Hiob zum Beispiel hatten nur gute Absichten im Sinn, als sie ihren leidenden Freund beraten wollten. Und doch haben sie ihn mit ihren Worten eher wie mit einem Schwert geschlagen und noch tiefer in die Wunde hinein gehauen. Ich muss aber gar nicht so weit weg gucken. Dieses Phänomen, mit Worten absichtlich oder unabsichtlich zu verletzen, ist ein zutiefst menschliches. Ich kann mich heute – also nach über 45 Jahren – noch daran erinnern, dass damals im Kindergarten eine Erzieherin zu mir gesagt hat: „Claudia, mach mal was anderes mit den Steckblumen. Das ist doch langweilig.“ Bei mir ist damals hängengeblieben: „Ich bin wohl langweilig.“ Eine Aussage, die mich lange sehr negativ geprägt hat, obwohl sie hoffentlich damals von meiner Erzieherin ganz anders gemeint war.

Das Phänomen Kommunikation kann man mit einem Eisberg vergleichen. Etwa 20 Prozent eines Eisbergs schauen aus dem Wasser heraus, die restlichen 80 Prozent befinden sich unter der Oberfläche. Der Teil über dem Wasser ist das rein gesprochene Wort mit einer eindeutigen Sachaussage, unter Wasser schwimmen die ganzen Emotionen, das Beziehungsgeflecht der Redner, die momentane Verfassung der Gesprächspartner usw. mit. Alles zusammen führt schnell zu einer (Fehl-)Interpretation der Aussage. So fragt z.B. der Mann seine Frau. „Du, was ist das Grüne da in der Suppe?“ Und die Frau reagiert mit: „Wenn dir meine Suppe nicht schmeckt, kannst du dir dein Essen ja demnächst selber kochen!“ Merkwürdig, diese patzige Antwort der Frau, oder? Warum reagiert sie so stark beleidigt? Dabei wollte der Mann doch nur wissen, ob das Erbsen oder etwas anderes in der Suppe sind.

Am besten reden wir also gar nicht mehr miteinander?! Tja, das funktioniert aber auch nicht. Denn „man kann nicht nicht kommunizieren“ (eine der fünf Grundregeln der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick; Kommunikationswissenschaftler). Auch mit unserer Körpersprache und unserem Schweigen bringen wir unsere Meinung, die Haltung zum Gesprächsgegenstand bzw. zu unserem Gegenüber und natürlich auch unsere Gefühle zum Ausdruck.

Wie gehe ich also am besten mit dieser komplizierten Sprache um? Die Bibel gibt uns da einige wertvolle Tipps. In Sprüche 16,24 heißt es z.B.: „Freundliche Rede ist wie Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.“ Wenn ich mir bewusst vornehme, meinem Gegenüber freundlich und wertschätzend zu begegnen, tue ich ihm etwas Gutes. Interessant finde ich an diesem Vers, dass es nicht nur für die Seele gut ist. Das kann ich ja sofort nachvollziehen. Nein, es ist sogar „heilsam für die Glieder“. Dem ganzen Menschen tut ein freundliches Wort gut und baut innerlich auf, verändert die Haltung. In dem Vers steht übrigens nicht, ob der „Honigeffekt“ für den Sprecher oder den Hörer des freundlichen Wortes gilt. Ich vermute ja, es gilt für beide, denn die Reaktion des Zuhörers, die das freundliche Wort auslöst, beeinflusst auch den Sprecher wieder positiv.

Einen anderen Tipp gibt uns der Verfasser des Jakobusbriefes (Jak.1,19): „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ Hier liegt der Schwerpunkt nicht auf dem Sprechen, sondern auf dem Zuhören. Wenn ich z.B. meinem Mann von einer schwierigen Situation auf der Arbeit erzähle, wünsche ich mir zuallererst von ihm, dass er zuhört und mir durch seine Fragen zeigt, dass er bemüht ist, sich in die Situation hineinzuversetzen. Ich wünsche mir auch, dass er meine Gefühle wahrnimmt und zunächst so stehen lässt. Erst nach diesem aktiven Zuhören bin ich überhaupt bereit, einen Ratschlag oder einen Verbesserungsvorschlag anzunehmen und ihn nicht zornig oder beleidigt vom Tisch zu wischen.

Es ist schon sehr faszinierend, dass sich in unserer „uralten“ Bibel Hinweise für einen guten Umgang miteinander finden, die auch heute noch ganz aktuell sind. Es lohnt sich, die Bibel mal daraufhin durchzustöbern und echte Schätze zu entdecken.

Claudia Breßgott